Wollwindeln fetten: Anleitung für eine dichte Überhose

Aktualisiert: 29. Jan.

Wollwindeln bringen viele Vorteile mit sich, einfach, weil das Material Wolle an sich tolle Eigenschaften hat. Wolle ist selbstreinigend, schmutzabweisend, wasserabweisend und antibakteriell.


Also perfekt für eine Windel! Doch eine Sache schreckt viele ab: Das Fetten von Wollüberhosen, denn ohne Lanolinbad halten Wollüberhose nicht dicht.


Aber wie fettest du Wollwindeln richtig? Was musst du beim Fetten von Wollwindeln beachten? Erfahre in dieser Schritt für Schritt Anleitung, wie du eine dichte Wollüberhose bekommst.


Wollüberhose im Lanolinbad
Wollüberhose im Fettbad

Zugegeben das Lanolinbad wirkt abschreckend, vermutlich trauen sich viele Stoffwindelliebhaber nicht an Wollwindeln, weil sie Respekt vor dem berüchtigten Lanolinbad haben. Ging mir genauso. Doch es gibt keinen Grund zur Panik! Wollwindeln fetten ist wirklich kinderleicht, fast so wie Tee kochen.


Schritt für Schritt zur gefetteten Windel


Für ein Lanolinbad brauchst du im Grunde nicht viel, die wichtigste Zutat ist Lanolin (Wollfett). Achte dadrauf, dass es sich hierbei um ein Wollfett handelt, dass zum Fetten von Wolle geignet ist. Mit dem Lanolin rührst du ein Fettbad an.


Es gibt auch fertige Lanolinkuren, ich bevorzuge die Variante, bei der ich mir die Emulsion selbst mische.


Vorbereitung: Wollwindel waschen


Bevor du mit dem Fettbad startest, solltest du deine Wollwindel vorsichtig waschen. Ich wasche Wolle lieber per Handwäsche. Einfach, weil ich so punktuell Schmutz entfernen und flecken bearbeiten kann.


Ob du die Wollwindel per Hand oder in der Maschine im Wollprogramm wäscht, bleibt dir überlassen.


Die Routine mit Wollüberhosen sieht so aus, dass diese ca. alle 3-4 Wochen ein Fettbad brauchen. Davor solltest du deine Wolle einmal waschen und von eventuellen Gerüchen, Hautschüppchen, Ablagerungen reinigen. Ohne Lanolin halten Wollwindeln nicht dicht. Nach einiger Zeit ist das Lanolin abgetragen und muss mit einem Lanolinbad aufgefrischt werden. Umso häufiger du deine Wollwindel fettest, desto dichter wird sie.


Wie häufig Wollwindel waschen?


Generell solltest du deine Wollüberhosen so selten, wie möglich waschen. Zwischen den Wickelintervallen reicht es vollkommen aus, wenn du die Windeln auslüftest. Aufgrund der tollen Eigenschaften von Wolle, sparst du dir so das ständige Waschen.


Natürlich sollten Stuhl- oder Urinflecken direkt behandelt werden, am besten eignet sich dafür eine Wollfettseife, so wäscht und fettest du die betroffene Stelle in einem Rutsch und sparst dir ein Lanolinbad.


Mehr zum Thema "Wollwindeln waschen"findest du hier.


Zutaten für das perfekte Lanolinbad


  1. Lanolin deiner Wahl

  2. Emulgator= Fettlöser (Wollwaschmittel, Olivenkernseife, Seifenflocken, Shampoo, Spüli)

  3. Tasse/ kleines Schälchen

  4. heißes gekochtes Wasser

  5. laurwarmes Wasser

  6. ein großes Gefäß für das Lanolinbad

  7. ein Handtuch zum Trocknen

Neue Wollwindeln sollten mindestens zweimal gefettet werden, damit sie halbwegs dicht sind.

Schritt 1: Wasser kochen für die Emulsion


Koche Wasser im Wasserkocher oder im Topf auf dem Herd. Kocht das Wasser, bist du bereit für den nächsten Schritt zu einer dichten Wollwindel.


Schritt 2: Lanolin mit Emulgator im Wasser verrühren


Das gekochte Wasser gießt du in deine leere Tasse oder in die kleine Schüssel, fügst ein paar Tropfen Spüli, Shampoo oder einige Seifenflocken hinzu und einen halben gestreiften Teelöffel Lanolin. (Menge gilt für eine Wollüberhose)


Lanolinbad
Lanolinmischung

Jetzt heißt es rühren rühren rühren. Wirklich so lange, bis eine milchige Flüssigkeit entsteht und das Lanolin mit dem Wasser emulgiert. Schwimmen noch Fettaugen auf der Oberfläche, füge noch einige Tropfen/Flocken deines Emulgators hinzu. Weiter rühren - und dann hast du eine perfekte milchige Flüssigkeit. Dein Lanolinbad ist fast fertig!


Ich persönliche habe wirklich sehr gute Erfahrung mit Olivenkernseife als Emulgator, bisher ist damit jedes Anrühren des Lanolinbads gelückt.


Schritt 3: Emulsion mit Wasser vermischen


Lege deine Wollüberhose auf links in deinen Behälter, Wollschlupfhosen solltest du ebenfalls auf links drehen. Gebe die Emulsion und ca. 1 Liter lauwarmes Wasser hinzu. So, dass die Wollüberhose(n) gerade bedeckt sind. Du kannst die Wollüberhosen mit einem kleinen Teller beschweren, damit sie weiterhin leicht bedeckt bleiben. Die Wollwindeln bleiben jetzt für mindestens drei Stunden in der Emulsion.


Wichtig ist, dass du die Wollüberhose nicht bewegst, knetest oder in der heißen Flüssigkeit rührst! Ansonsten kann sie extrem verdichten und einlaufen, da du sie ja in warmes bis heißes Wasser gibst. Da ich nichts riskieren möchte, prüfe ich die Temperatur mit meiner Hand. Wolle mag es nicht zu heiß, genau wie deine Hände.


Fettest du mehrere Wollüberhosen zusammen, achte dadrauf, dass sie farblich zusammen passen. Es kann immer passieren, dass die Überhosen ausbluten (Farbe verlieren) und andere Windeln verfärben. Besonders beim ersten Fetten der Windel, solltest du dadrauf achten.


Ist mir persönlich noch nie passiert, aber kann durchaus vorkommen und will wohl niemand.


Schritt 4: Trocknen nach dem Lanolinbad


Die Wollüberhosen sollten mindestens für 3 bis 4 Stunden im Lanolinbad schwimmen. Du kannst die Windeln auch über Nacht fetten und am nächsten Tag aus der Flüssigkeit nehmen.


Wringe die Wollwindeln nicht aus, sondern drücke sie sanft im Waschbecken. Du kannst sie auch in ein Handtuch mit etwas Druck wickeln oder rollen, dadurch verliert die Wollwindel die überschüssige Flüssigkeit. Sehr beliebt bei Kindern ist auch das Tanzen auf der Wollüberhose im Handtuch.


Anschließend kannst du sie im Liegen trocknen. Wolle sollte immer im Liegen getrocknet werden, da sie sich ansonsten verziehen könnte. Du kannst sie zum Beispiel über die Streben der Wäschleine legen.


Nach 24 Stunden sollte die Wollwindel vollständig getrocknet sein, es kann aber durchaus auch mal länger dauern.


Bitte Wolle niemals an der Heizung, am Kamin oder im Trockner trocknen, auf Dauer schadet das den Wollfasern und die Wolle könnte einlaufen.


Getrocknete und gefettete Wollwindel


Nach dem Trocknen und Fetten kann sich die Wollwindel klebrig bzw. fettig anfühlen, das ist nicht weiter schlimm.

Das überschüssige Fett trägt sich in der Regel nach einer gewissen Zeit ab und pflegt gleichzeitig die zarte Babyhaut.

Der Grund für das klebrige Gefühl? Du hast vielleicht zu viel Lanolin benutzt und die Wollwindel überfettet. Kein Grund zur Sorge: Bei mir hat sich das Wollfett bisher immer abgetragen. Bist du dir unsicher, kannst du die Windel auch nochmal waschen und anschließend prüfen, ob sie noch dicht ist.


Wirkt die Windel nach dem Fetten immer noch nicht dicht, kannst du die Hauptnässezone direkt mit der Lanolinmischung begießen. Die Wickelintervalle können sich je nach Baby und Pipimenge unterscheiden, wir wickeln ausschließlich mit Wolle und haben Intervalle von 2-3 Stunden.


Viel Spaß mit deiner Wollwindel!







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