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Wollkleidung: Was du beim Kauf von Wollkleidung beachten solltest

Wollkleidung gewinnt immer mehr an Beliebtheit und auch ich schätze Wollkleidung sehr. Dabei darf nicht vergessen werden, dass Wolle ihren Preis hat. Was kannst du beim Kauf von Wollkleidung beachten? Was gibt es bei der Wollgewinnung für Praktiken und wie kannst du sicher gehen, dass diese nicht ausgeführt werden? Mehr dazu findest du in diesem Artikel.


Eigenschaften von Wolle: Was macht die Naturfaser so besonders?


Wieso ist Wolle so beliebt? Ganz einfach - sie hat unschlagbare Eigenschaften, die es so nicht noch einmal gibt. Natürlich gibt es künstliche Fasern, die diese Eigenschaften kopieren, doch längst nicht mit dem Original mithalten können. Außerdem ist die Basis von Kunstfaser in der Regel Erdöl und aus diesem Grund nicht gerade natürlich und biologisch abbaubar.


Eigenschaften von Wolle


  • Wolle ist temperaturregulierend

  • Wolle ist schmutzabweisend

  • Wolle ist selbstreinigend

  • Wolle ist atmungsaktiv

  • Wolle ist elastisch, dehnbar und flexibel

  • Wolle ist antibakteriell


Billige Kleidung: Wolle als Massenprodukt


Das tierische Naturprodukt Wolle bringt Vorteile mit sich, die der Mensch sich seit Jahrtausenden zum Nutzen macht. Heutzutage wird Wolle in großem Stil produziert und importiert. Der Trend geht immer mehr in Richtung Fast Fashion. Es wird mehr konsumiert und muss dabei möglichst billig und preiswert sein. Bei der Produktion von günstigen Wollkleidungsstücken nehmen die Produzenten nicht nur eine geringe Qualität in Kauf, sondern auch Tierleid. Wolle ist zwar ein Naturprodukt, aber auch ein Massenprodukt.

Die konventionelle Wollproduktion steht für Tierleid und schmerzhafte Prozeduren.


Für die meisten kuscheligen Pullover und Kleidungsstücke leiden unzählige Schafe unter schmerzhaften Verstümmelungen und schlechten Haltungs- und Lebensbedingungen.

Günstige Wollkleidung ist deshalb immer sehr verdächtig und spricht nicht für das Wohl der Tiere. Wenn Wolle, dann bitte hochwertige Wolle, die ihren Preis hat, und zwar nicht zum Leidwesen der Schafe. Außerdem gibt es auch bestimmte Zertifizierungen und Eigenschaften, die gegen Tierleid sprechen.


Schafschur: Leiden Schafe unter der Schur?


Viele Menschen glauben, dass Schafe geschoren werden müssen, doch das ist falsch. Schafe müssen nur geschoren werden, weil ihnen eine unnatürlich hohe Wollmenge angezüchtet wurde, um möglichst viel Wollmasse zu haben. Diese Wollmasse kommt von faltenreichen Schafen, insbesondere Merinoschafe, deren viele Hautfalten das Ergebnis der Zucht sind. Mehr Haut, mehr Schaf, mehr Wolle, mehr Profit.


Eigentlich produziert ein Schaf nur so viel Wolle, wie es zum eigenen Schutz, etwa gegen Kälte, braucht. Mittlerweile hat sich durch diese Zuchtweise die Wollmenge pro Schaf ungefähr verdoppelt. Diese Schafe stammen oft von australischen Farmen und 70-80 Prozent der australischen Merinowolle stammt von gemulesten Schafen. Nur ca. 20 Prozent sind mulesingfrei.


Die Prozedur des Scherens kann für Schafe mit sehr viel Stress verbunden sein. Insbesondere, weil die Scherer in der konventionellen Schafzucht auf Zeit bezahlt werden. Diese müssen oft unter Zeitdruck arbeiten und möglichst viele Schafe in geringer Dauer scheren. Schnittwunden und ein ruppiger bis brutaler Umgang sind leider keine Seltenheit.

In Argentinien werden Schafe nicht vollständig kahlgeschoren, sodass die Tiere einen Teil der Wolle behalten. Dadurch werden die Schafe nicht so schnell beim Scheren verletzt, anderseits haben sie noch genügend Wolle, um sich vor Kälte zu schützen.

Merinoschafe haben unnatürlich viele Hautfalten


Schafe mit extra viel Wolle gezüchtet


Insbesondere die wertvolle Merinowolle kommt von Schafen, die extra so gezüchtet wurden, damit sie mehr Hautfalten haben. Und diese Hautfalten sind besonders anfällig für Fliegenmaden und anderes Ungeziefer. Übrigens gibt es auch in Deutschland Merinoschafe, die keine unnatürlichen Falten haben. Somit fällt auch das Mulesing weg. Insgesamt gilt Wolle aus Europa als mulesingfrei, denn diese qualvolle Praktik ist in Europa strengstens verboten. Auch in Neuseeland ist seit 2018 Mulesing untersagt.


Mulesing: Was genau passiert bei der Prozedur?


Insbesondere bei Schaffarmen in Australien wird das sogenannte Mulesing noch sehr häufig praktiziert. Damit beugen die SchäferInnen den Befall durch Fliegenmaden vor. Den Lämmern werden ohne Betäubung große Haut- und Fleischstücke im Bereich der Schenkel, des Schwanzes und Genitalhautfalten herausgeschnitten, damit sich dort in den tiefen Hautfalten keine Fliegemaden einnisten. Sind Schafe von Fliegenmaden befallen, kommt es häufig zu schweren Infektionen und Verläufen, einige Tiere sterben sogar. Mulesing ist eine sehr schmerzhafte Prozedur, bei welcher nicht das Wohlergehen der Tiere an erster Stelle steht. Mulesing ist häufig der Preis, den die Tiere für günstige und billige Wollkleidung zahlen.


In Deutschland ist dieses brutale Vorgehen verboten: In Australien wird diese brutale und unnötige Vorgehensweise leider weiterhin erlaubt, da die Wollfarmer einen zu großen Einfluss haben. Diese bewerten das Mulesing als wirtschaftlich notwendig.

Mulesingfrei gegen die Verstümmelung


Wolle aus Südamerika, Südafrika oder Europa ist übrigens immer Mulesing frei! Dort gibt es diese Fliegenart nicht.


Marken, die Mulesing frei produzieren


  • Engel Natur

  • Grüne Erde

  • Reiff

  • Disana

  • Hessnatur

  • Armedangels

  • Halfen


Um diese qualvolle Verstümmelung nicht zu unterstützen, solltest du beim Kauf deiner Wollkleidung auf mulesingfrei Wolle achten. Neben Mulesing gibt es aber noch weitere Faktoren, die das Wohl der Schafe beeinflussen. Pestizide, Sheep Dipping und schlechte Haltung spielen bei der Wollgewinnung ebenfalls eine Rolle. Am besten entscheidest du dich für Bio-Wolle, die aus kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT) stammt und damit nicht aus konventioneller Wollgewinnung.


Wie nachhaltig ist Wolle?


Wie bei vielen Dingen gibt es Befürworter und Gegner, zum Thema Wolle und Wollkleidung. Einige Menschen lieben und schätzen die Naturfaser und bezeichnen diese als nachhaltig und anderen kritisieren den hohen Ressourcenverbrauch, das Tierleid und die schlechte Umweltbilanz. Aber wie nachhaltig ist denn jetzt Wolle?


Fakt ist, dass Wolle ein nachwachsender und biologisch abbaubarer Rohstoff ist, der aus atmosphärischem Kohlenstoff besteht. Ausgediente Wolle kann als Dünger fungieren, da sie nach und nach Nährstoffe und Kohlenstoff abgibt. Der Kohlenstoff, welcher sich in dynthehtischen Fasern befindet, wird aus fossilen Brennstoffen extrahiert, wofür dem Boden Kohlenstoff entzogen wird. Kunstfasern, wie Viskose, Polyester, Acryl, bestehen also aus Erdöl und sind Plastik, welches nach und nach die Umwelt in Form von Mikroplastik verschmutzt.



Quelle: woolmark.jp


Konventionelle Wollproduktion


Bei konventioneller Schafwolle werden 67 Hektar Land zur Erzeugung einer Tonne Wolle benötigt. Für eine Tonne Chemiefasern etwa aus Viskose werden lediglich 0,8 Hektar und für eine Tonne Baumwolle 1,3 Hektar Land benötigt. Weiterhin wird durch die Tierhaltung auch der Aspekt der entstehenden Methangase benannt. Hinzu kommen Chemikalien, Pestizide und schlechte Haltungsbedingungen. Puh, nachhaltig klingt anders.


  • Pestizide auf Wolle (brutale Pestizidbäder „Sheep Dipping“)

  • Hoher Wasserverbrauch beim Waschen der Wolle

  • Chemische Ausrüstung bei Wolle wie Bleichen oder Anti-Filz-Mittel

  • Insektiziden beispielsweise mit einer Antimottenbehandlung


Fakt ist auch, dass es bei der Gewinnung der Schafswolle qualvolle Vorgehensweisen gibt, die pure Tierquälerei sind und keinesfalls nachvollziehbar. Videos von PETA zeigen, wie brutal insbesondere bei der Schur vorgegangen werden kann. Schafe werden bei der schnellen und oftmals gewalttätigen Arbeit verletzt, gezielt geschlagen oder fixiert. Besonders Schaffarmen in Australien und den USA wurden diese brutalen Vorgehensweisen gefilmt. Natürlich darf nicht außer Acht gelassen werden, dass Tierschutzorganisationen gezielt Szenen und Material sammeln und verbreiten, dass die negativen Seiten aufzeigen. Es gibt auch SchäferInnen, die Ihre Tiere nicht verstümmeln und quälen.


Weitere Vorgehensweisen wie das „Sheep Dip“- Desinfektionsbad und Mulesing gehören bei der konventionellen Schafszucht und Wollproduktion dazu.


Artgerechte und umweltverträgliche Wollgewinnung


Wollproduktion und Schafhaltung geht auch anders! Es gibt auch Wollproduzenten, denen das Tierwohl wichtig ist.


Kontrolliert biologische Tierhaltung


Natürlich bleibt es ein tierisches Produkt, doch es ist ausschlaggebend wie das Tier gehalten wurde, welches sein Haar für unsere Kleidung hergibt. Eine artgerechte Haltung sollte vorwiegend zum Wohle der Schafe sein, wirkt sich aber auch positiv auf die Wollqualität aus. Bei der biologischen Wollproduktion und Schafhaltung steht das Tierwohl im Vordergrund und die die Tiere werde artgerecht auf großen Weiden gehalten.


Mehr zur kbT findest du hier .


Wie wird Wolle noch nachhaltiger?


Wolle wird noch nachhaltiger, wenn Verbraucher zum Beispiel gebrauchte Wollkleidung kaufen. Bei richtiger Pfleg ist 100 Prozent Wolle ein langlebiges und robustes Material, dass im Vergleich zu Kunstfasern und billiger Fast-Fashion wirklich jahrelang getragen und genutzt werden kann.


Außerdem gibt es immer mehr Unternehmen, die auf Upcycling von gebrauchten und abgetragenen Wollpullovern und -kleidungsstücken setzen. Dadurch wird der wertvolle Rohstoff wertgeschätzt und das Kleidungsstück repariert statt weggeworfen.

Generell sollten wir unseren Konsum von Kleidung stark überdenken.

 

Quellen:



 

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