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Windelfrei und Abhalten: Was genau ist das?

Windelfrei und Abhalten. Vielleicht hast du noch nie zuvor davon gehört oder bist bereits rund um das Thema auf Vorurteile getroffen. Wie sooft gibt es auf der einen Seite Menschen die das Konzept absolut befürworten und lieben, auf der anderen Seite sind die Kritiker, die das Ganze nicht nur kritisch betrachten, sondern für absoluten Humbug halten. Selbst Erkenntnisse in Studien und Büchern können diese Stimmen nicht überzeugen.


Möchtest du hilfreiche Texte, Bücher und Studien rund um das Thema Windelfrei und Abhalten lesen? Dann schau mal unter Windelfrei und das Abhalten von Babys: Studien und Lesenswertes auf meinem Blog.


Abhalten als vermeintlicher Trend


Abhalten ist in unserer Gesellschaft kaum etabliert: Windelfrei wird von einigen als „neuer Trend“ abgestempelt, dabei ist die Ausscheidungskommunikation mit Babys so alt wie die Menschheit selbst.


Der Ursprung von Windelfrei und Abhalten liegt in unserer Natur: Es liegt wohl nahe, dass Babys vor der Erfindung der Windel immer nackt und somit windelfrei waren.


Deshalb wird im Zusammenhang mit Windelfrei auch von der natürlichen Säuglingspflege gesprochen. In vielen Kulturen der Welt wachsen Babys traditionell ohne Windel auf, diese natürliche Säuglingspflege wurde in den westlichen Ländern mit dem Einzug der Wegwerfwindel und Verdrängung der Stoffwindel fast gänzlich vergessen. Und auch in vielen Entwicklungsländern verdrängt die Wegwerfwindel immer mehr das traditionelle Abhalten und Wickeln mit Stoff.


Vermutlich gilt Windelfrei als Trend, da es immer mehr Aufmerksamkeit erlangt, auch außerhalb der Windelfrei-Bubble. Mich persönlich freut das sehr, denn jede Eltern sollten wissen, dass es diese Möglichkeit der Säuglingspflege gibt. Ob Windelfrei zum Alltag passt, bleibt jeder Familie selbst überlassen.


Aber was steckt denn jetzt genau hinter Windelfrei? Was ist das genau?


Windelfrei: Zeit ohne Windel


Grundsätzlich kann von Windelfrei gesprochen werden, sobald Eltern ihrem Baby Zeit ohne Windel ermöglichen. Der Zeitraum spielt dabei eher eine geringe Rolle: Windelfrei können täglich fünf Minuten oder mehre Stunden ohne Windel sein. Zum Beispiel beim Spielen auf der Krabbeldecke, vor jeder frischen Windel, nach dem Baden oder vorm Schlafen gehen. Babys sowie Kinder lieben es nackig zu sein. Immerhin ist es für sie das Natürlichste der Welt und bringt einige Vorteile mit sich.


Abhalten als Bestandteil von Windelfrei


Hinter dem Konzept und Begriff Windelfrei versteckt sich das Abhalten von Babys. Abhalten ist ein Teil der Windelfrei Methode. Hierbei ist aber wichtig zu betonen, dass Babys nicht zwingend ohne Windel groß werden. Viele Eltern halten Ihre Babys in Kombi mit (Stoff-)Windeln ab. Es gibt sogar spezielle Stoffwindeln sogenannte Abhaltewindeln, die das Abhalten unterstützen und erleichtern.


Was ist Abhalten?


Kurz und knapp: Mit dem Abhalten ermöglichst du deinem Baby sich außerhalb der Windel zu erleichtern und hältst das Baby ab. Eltern achten auf bestimmte Signale ihrer Babys und reagieren, indem sie das Baby abhalten.


Es gibt Eltern, die ihr Baby komplett ohne Windel großziehen und das von Geburt an. So wird das Baby zum Beispiel über eine Schüssel, ein Töpfchen, Waschbecken oder über die Toilette abgehalten.


Aber es gibt auch sogenannte „Teilzeit-Windelfrei Eltern“: Es wird also nicht vollständig auf die Windel verzichten. Häufig praktizieren Eltern Windelfrei und Abhalten in Kombination mit Stoffwindeln.


Ich bin mir ziemlich sicher, dass Eltern, die sich für Stoffwindeln interessieren, früher oder später auch mit Windelfrei & Abhalten in Berührung kommen.


Steinzeitbaby: Funktioniert Abhalten von Geburt an?


Es ist vielleicht schwer vorstellbar, aber Neugeborene können mehr, als viele unter uns ihnen vielleicht zutrauen. Sie könne unter anderem ihre Ausscheidungen kontrollieren und dieses Bedürfnis signalisieren. Deshalb wird auch von Ausscheidungskommunikation gesprochen.

Der menschliche Körper besitzt diese Fähigkeit von Geburt an und Babys haben seit der Steinzeit dieselben Bedürfnisse.


Ja, Babys sind noch auf Steinzeit programmiert, auf das biologische Urprogramm. Sie wissen nicht, dass sie in eine moderne Welt hineingeboren wurden. Und deshalb brauchen Babys, neben Liebe und Geborgenheit, einen artgerechten und natürlichen Umgang, der aus viel Nähe, Tragen, Füttern nach Bedarf, Schutz und Eingehen auf alle Bedürfnisse besteht. Dazu zählt auch die natürliche Säuglingspflege. Wie das im Alltag umsetzbar ist, entscheidet jede Familie für sich selbst.


Pipi und Aa außerhalb der Windel?


Eine Möglichkeit ist Windelfrei und das Abhalten. Babys sind von Natur aus sauber und möchten ihr Nest nicht beschmutzen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass du es auch schon erlebt hast: Ist die Windel gerade ab, erleichtert sich dein Baby: Es macht Pipi oder Aa, kurz nachdem du Windel abgemacht oder neu angelegt hast.


Viele Eltern werden auch von ihren Babys angepinkelt oder haben ein weinerliches, unruhiges Baby, wenn die Windel voll ist. Ganz normal. Dahinter steckt das Bedürfnis sich außerhalb der Windel zu erleichtern und dieses Bedürfnis zu signalisieren. Denn in den eigenen Ausscheidungen liegen, finden Babys genauso unschön wie wir.


Mit Weinen und Unruhe möchten Babys signalisieren „Hey, Mama, Papa- ich muss mal!“ oder „Hey, ich möchte eine neue Windel“.


Wann ist der richtige Zeitpunkt für das Abhalten?


Grundsätzlich gibt es keinen richtigen oder falschen Zeitpunkt für das Abhalten. Es ist jedoch ratsam, die ersten drei Monate nach der Geburt zu beginnen, da sich Babys dann in der sogenannten sensiblen Phase befinden. Sie sind sehr empfänglich für ihr Ausscheidungsbedürfnis und signalisieren dies, kommen Eltern dem nicht nach, finden sich Babys damit ab, dass sie sich in der Windel erleichtern müssen. Doch du kannst auch versuchen nach dem ersten Zeitfenster Windelfrei zu etablieren.


Insgesamt gibt es zwei sensible Phasen für die bewusste Ausscheidung von Babys und Kindern. Die Erste beginnt direkt nach der Geburt und endet mit ca. drei Monaten. Die zweite sensible Phase beginnt zwischen 18 und 30 Monaten. Wann genau das Baby bereit ist, hängt also von der Hirnreife ab, die in diesen beiden Zeitfenstern entsprechend vorhanden ist. Kommt man diesem Bedürfnis in der ersten Phase nicht nach, ruhen diese Verknüpfungen im Hirn bis zur zweiten Phase.


Mehr zur sensiblen Phase findet ihr hier von Rita Messmer, Entwicklungspädagogin und Craniosacral-Therapeutin mit besonderem Schwerpunkt auf Babys und Kleinkinder, unter www.kleinerhomosapiens.ch.

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